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Energie  2000

Unsachliche Einleitung 

Zum Glück haben wir eine 2.Welt im Keller. Die holen wir rauf, wenn unserer alten Mutter Erde der Schnauf ausgeht. Schön! Der Mensch hat schon immer gemacht, was er kann, und er kann wirklich viel. Weshalb also die Miesepetermiene angesichts der munter sprudelnden Billigenergie, die unser Klima ein bisschen anheizt. Palmen in St. Moritz sind doch auch nicht schlecht. Man gönnt sich ja sonst nichts! 

Sachliche Einleitung

Wir sägen am Ast auf dem wir sitzen! Obwohl kein ernsthafter Mensch den Treibhauseffekt als erwünscht einstuft und die Freisetzung des fossilen CO2 in atemberaubendem Tempo weitergeht, herrscht energiepolitischer Gegenwind. Das Swissair-Debakel, das plötzlich aufgetretene Milliardenloch in der Bundeskasse und die Gebetsmühlenartig heruntergeleierten Sprüche der Manager über die (Un)sicherheit der Arbeitsplätze tun das ihrige, um die schon herrschende, steife Brise gegen die Erhöhung der Engagements für erneuerbare Energien noch anzukurbeln. Dabei ist gerade in der Nutzung erneuerbarer Energien in unserem Land soviel innovatives Potential vorhanden, dass mit relativ bescheidenen Impulsen Exportschlager für die internationalen Märkte entwickelt werden könnten.
Schauen wir uns doch das Beispiel der Holzenergie etwas genauer an: Während Jahrtausenden war Holz praktisch die einzige Energie des Menschen. Seit der industriellen Revolution erlangten fossile Primärenergien aus dem Bauch der Erde - zunächst Kohle, später Erdöl und Erdgas immer grössere Bedeutung. Vor dreissig Jahren deckte Holz gerade noch etwa 1,5 Prozent des Gesamtenergieverbrauches der Schweiz ab. Die in jüngerer Zeit aufgekommene Diskussion über globale Umweltprobleme und Ressourcenknappheit liessen einheimische, erneuerbare und CO2-neutrale Energieträger wieder zunehmend in den Mittelpunkt des energiepolitischen Interesses rücken. Die Jahresnutzung von Energieholz hat deshalb zwischen 1991 und 2000 von 2,2 auf 2,5 Millionen Kubikmeter (Festmeter) zugenommen. 2000 deckt Holz wieder 2,3 Prozent des Schweizer Gesamtenergieverbrauches. Ist das wenig oder viel? "Wenig", sagen viele Pessimisten, "viel", sagen wenige Optimisten. Auf jeden Fall ist es eine interessante Geschichte, wenn wir uns auch noch das Potential vergegenwärtigen. Oder die Tatsache, dass Holz und Biomasse heute in Europa bereits wichtiger sind als die Wasserkraft!

Der Schweizer Energiemix

Der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz liegt heute acht mal höher als nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges! Vom gewaltigen Energie-Input gehen bis zur Umwandlung der Primärenergieträger in Wärme, mechanische Arbeit oder Licht rund 60 Prozent verloren. Eine masslose Verschwendung!
Öl und Gas allein decken immer noch fast drei Viertel unseres Energieverbrauches, gefolgt von der Elektrizität mit mehr als 20 Prozent. Holz deckte 2000 2,3 Prozent (1993: 2,0 Prozent) des Gesamt- (Wärme und Kraft), beziehungsweise etwa 5 Prozent des Wärmeenergieverbrauches und ist damit nach der Wasserkraft der zweitwichtigste erneuerbare Energieträger der Schweiz. 

Entwicklung der Holzenergienutzung 1991 bis 2000

Bedingt durch schwierige Topographie, hohe Holzerntekosten, billige Holzimporte und strenge gesetzliche
Rahmenbedingungen wird der Schweizer Wald zuwenig genutzt: Einem jährlichen Zuwachs von etwa 9 bis 10 Millionen Kubikmetern steht eine durchschnittliche Jahresnutzung von lediglich etwa 4,5 Millionen Kubikmetern Holz gegenüber. Neben dem naturbelassenen Energieholz aus dem Wald und dem Restholz aus der Holzverarbeitung gewinnt auch das aus Abbrüchen, Renovationen, Verpackungen und Möbeln stammende Altholz an Bedeutung. In speziellen Feuerungen lässt sich daraus wertvolle Energie gewinnen.
Die Holzenergie hat in den letzten Jahren trotz schwieriger Rahmenbedingungen und einem harten Konkurrenzkampf laufend Marktanteile gewonnen. Die nachfolgende Tabelle zeigt die Entwicklung der Energieholznutzung zwischen 1991 und 2000 (Quelle: Schweiz. Holzenergie-Statistik, Mai 2001, BFE/BFS/Buwal/BWL).
Im Jahre 2000 nutzten die in der Schweiz in Betrieb stehenden Holzfeuerungen rund 2,5 Millionen Kubikmeter Holz. Sie substituierten damit etwa 500'000 Tonnen Heizöl. Dies entspricht einem Zug mit 7'000 vierachsigen Kesselwagen. Unserer Atmosphäre bleiben dank der Holzenergie jedes Jahr 1,5 Millionen zusätzliche Tonnen Kohlendioxid (CO2) erspart. Damit leistet Energieholz einen entscheidenden Beitrag an die Schweizerischen Ziele in der Klimapolitik.

Das Potential der Holzenergie 

Der heutigen Jahresnutzung von rund 2,5 Millionen Kubikmetern Energieholz steht ein kurz- bis mittelfristig verfügbares Potential von - je nach Schätzung - 4 bis 5 Millionen Kubikmetern gegenüber. Das theoretische Potential liegt gar bei etwa 5,5 bis 7 Millionen Kubikmetern. Wenn als langfristiges Oberziel zwischen 1990 und 2010 eine Verdoppelung der Nutzung von 1990 angestrebt wird, ist man damit noch weit entfernt von einer ökonomisch und ökologisch wenig sinnvollen Ausnutzung des theoretischen Potentials. Ganz klar nicht zur Diskussion steht auch die direkte energetische Nutzung qualitativ hochwertiger Holzsortimente.

Massgeschneiderte Lösungen dank differenzierter Technik 

Eine zentrale Voraussetzung für die vermehrte Nutzung der Holzenergie ist eine Feuerungstechnik, die eine bequeme, effiziente und umweltgerechte Verbrennung des Holzes erlaubt. In den letzten Jahren hat - nicht zuletzt dank den Vorschriften der Luftreinhalte- Verordnung LR V 92 - ein beachtlicher Innovationsschub stattgefunden. Moderne, richtig betriebene Holzfeuerungen erreichen höchste Wirkungsgrade bei geringsten Emissionen und erfüllen die strengen LRV-Grenzwerte problemlos.
Die Palette moderner Holzfeuerungen ist breit. Sie reicht vom geschlossenen Cheminée bis zur automatischen Grossfeuerung mit Nahwärmenetz und Wärme-Kraft-Koppelung WKK. Beim Entscheid für ein bestimmtes System steht der erforderliche Wärmeleistungsbedarf im Vordergrund. Daneben spielen aber auch andere Faktoren wie Platzverhältnisse, Komfortansprüche und Versorgungssituation eine wichtige Rolle. Es lohnt sich immer, bei der Wahl des Feuerungssystems sorgfältig vorzugehen. 

Die Holzenergie in Zukunft - ein Blick voraus

Treibhauseffekt, Verschwendung, Rohstoffknappheit und Abhängigkeit vom Ausland sind vieldiskutierte Probleme unserer Energiepolitik. Erneuerbare Energien, Nachhaltigkeit, Zukunftsfähigkeit sind als Lösungsansätze ebenso im Gespräch. Von allen erneuerbare Energien kann Holz in den nächsten Jahren den grössten Beitrag an eine zukunftsfähige Energieversorgung der Schweiz leisten.
Solange die nachwachsenden Ressourcen nicht übernutzt wurden und die fossilen Energien im Boden schlummerten, funktionierte die Energieversorgung in regional geschlossenen, CO2-neutralenKreisläufen. Genau diese Attribute weist eine zukunftsfähige Energieversorgung ebenfalls auf. Denn heute erkennen wir neben den zweifellos grossen Annehmlichkeiten und Vorteilen immer deutlicher auch die negativen Konsequenzen unseres überbordenden Energieverbrauches: Die drohende Klimakatastrophe, die ineffiziente Nutzung der viel zu billigen, fossilen Energie, die Belastung der Luft, der Böden und Gewässer mit Schadstoffen aus der Energiegewinnung und -verbrennung. Da unser Wohlstand existentiell von einer sicheren Energieversorgung abhängt, ist diese mit griffigen energiepolitischen Massnahmen möglichst schnell auf möglichst viele, vorzugsweise einheimische, erneuerbare und CO2-neutrale Energieträger umzustellen.
Christoph Rutschmann